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Deutschland muss sich im Stabilisierung und Konsolidierung kümmern 06.11.2012 



Hochkarätige Referenten diskutierten über die europäische Finanz- und Wirtschaftskrise
 
Das inzwischen 21. Wirtschaftsgespräch der Verbandsgemeinde Daaden mit der Evangelischen Sozialakademie fand jetzt im Rittersaal von Schloss Friedewald statt. Neben den rund 40 interessierten Gästen konnte Bürgermeister Wolfgang Schneider Hans Theo Macke (2. von links), Vorstandsmitglied der DZ Bank in Frankfurt, Dr. Andreas Suter (2. von rechts), Geschäftsführer der GroNova Academy in Zug (Schweiz) und als Moderator den früheren Landrat Dr. Alfred Beth begrüßen. Unter der Überschrift „Deutschland – Zahlmeister der EU“ begann der Abend mit zwei Impulsreferaten. Dabei führte Dr. Andreas Suter aus, dass nach seiner Einschätzung eine Transferunion ein rein politisches Projekt ist. Es gebe keine wichtigen wirtschaftlichen Gründe, für die Schulden anderer aufzukommen. Die Leistungsfähigkeit Deutschlands beruhe auf einer wettbewerbsfähigen Realwirtschaft. Deutschland sei dabei selbst großer Schuldner, was vielfach verkannt werde. Das Problem liege im rasanten Anstieg der Staatsverschuldung und nicht in der Finanzkrise der letzten Jahre, was Dr. Suter anhand aussagekräftiger Zahlen und Statistiken verdeutlichte. Er zeichnete insgesamt ein eher düsteres Bild, sieht aber Deutschland nicht chancenlos, da das Land über ein positives Leistungsbilanzsaldo verfüge. Eine weitere De-Industrialisierung gefährde aber Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand. 
 
Deutschland muss sich im Stabilisierung und Konsolidierung kümmernHans Theo Macke beklagte, dass die europäischen Staaten die Niedrigzinsphase nicht zum Schuldenabbau genutzt, sondern weitere Schulden angehäuft haben. Er gehe davon aus, dass die aktuellen Rettungsschirme die Risiken nicht kompensieren können. Der Euro habe die Risiken lediglich nivelliert. Strukturelle Unterschiede müssten abgebaut werden und als Lösungsansatz für die heutigen Probleme sieht Macke eine gesteuerte Transferunion, sozusagen als Mittelweg. Größtes Risiko bleibe eine aufkommende Selbstzufriedenheit. Bürgermeister Wolfgang Schneider gab zu Beginn der anschließenden Diskussion seiner Freude darüber Ausdruck, mit Dr. Andreas Suter und Hans Theo Macke zwei hochkarätige Referenten gewonnen zu haben. Und mit Blick auf das europäische Finanzszenario fragte er: „Wie kann man das als Normalbürger verstehen?“ Selbst für Fachleute werde die Situation zunehmend undurchsichtig. Es führe kein Weg daran vorbei, der Wahrheit ins Gesicht zu schauen, so Dr. Suter. Es gehe darum, Verantwortung für die kommende Generation zu übernehmen. „Die Probleme muss man lösen, nicht aussitzen. Und das auch mit dem Risiko, die nächste Wahl nicht mehr zu gewinnen.“ Es brauche einen Schuldenschnitt, der in der Lage ist, positive Energie zu entfesseln.
 
Dr. Alfred Beth beklage eine mangelnde Solidarität zwischen Politik und Wirtschaft. Er forderte eine „brutale Offenheit“, damit die Zustimmung für Europa nicht noch mehr sinke. Schließlich habe die alternativlose europäische Einigung enorme Fortschritte gebracht. Schulden zu machen sei offenbar immer der einfachere Weg, stellte Bürgermeister Schneider fest. Aber er halte es in seinem Verantwortungsbereich so, dass man nur ausgeben könne, worüber man auch verfüge. In der Diskussion kam auch ein massives Versagen des Bankensektors zum Ausdruck, ausgenommen die Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken. Selbst Bankenvertreter fordern inzwischen sinnvolle Regulatorien. Deutsche Banken scheinen inzwischen einander nicht mehr zu trauen und wickeln ihre Geschäfte über die Europäische Zentralbank ab. Aus schweizerischer Sicht relativierte Dr. Suter allerdings die Bedeutung des Euro und verwies auf das effiziente Bankenwesen in seinem Heimatland. Natürlich ging es auch um den Umgang mit hoch verschuldeten Staaten wie Griechenland. Die Lösungsansätze reichten dabei von Forderungsverzicht bis zum Ausschluss aus der Euro-Zone; beides würde den deutschen Steuerzahler enorm viel kosten. Zum Abschluss forderte Dr. Alfred Beth eine bessere Information der Bevölkerung und eine insgesamt positive Grundstimmung.